Honigbiene versus Wildbiene

Honigbiene versus Wildbiene – Fakten, Zusammenhänge und warum die Honigbiene nicht am Artensterben schuld ist

Die Diskussion „Honigbiene vs. Wildbiene“ wird oft emotional geführt – dabei hilft ein Blick auf die wissenschaftlichen Fakten. Honigbienen und Wildbienen sind beide essenziell für unsere Ökosysteme, erfüllen aber unterschiedliche ökologische Rollen. Und: Die Honigbiene ist nicht der Grund für das Artensterben, sondern selbst seit Jahrhunderten Teil unserer Kulturlandschaft. 

Die Honigbiene: Heimisch, staatenbildend, unverzichtbar
Die in Deutschland gehaltene Honigbiene ist die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist seit Jahrhunderten Teil der europäischen Kulturlandschaft und wurde bereits 1758 wissenschaftlich beschrieben. Honigbienen leben in großen Staaten mit bis zu 50.000 Individuen und überwintern als Volk – ein entscheidender Unterschied zu den meisten Wildbienenarten

Wildbienen: Vielfalt, Spezialisierung und Bedrohung
In Deutschland existieren rund 560–600 Wildbienenarten, dazu zählen auch die Hummeln. Etwa 90–95 % davon leben solitär, also ohne Staat, Königin oder Arbeiterinnen. Viele Wildbienen sind hoch spezialisiert – sie benötigen bestimmte Pflanzenarten oder spezielle Nistplätze. Genau diese Spezialisierung macht sie empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Über 40 % der Wildbienenarten gelten als gefährdet oder rückläufig.

Warum die Honigbiene nicht schuld am Artensterben ist

  1. Die Ursachen liegen woanders. Wissenschaftlich klar belegt: Das Artensterben bei Wildbienen wird verursacht durch • Verlust von Lebensräumen (Versiegelung, intensive Landwirtschaft) • Pestizide • Monokulturen • Klimawandel • fehlende Nistplätze. Diese Faktoren betreffen Wildbienen direkt – die Honigbiene kann durch imkerliche Maßnahmen unterstützt bzw. geschützt werden.
  2. Honigbienen sind Generalisten, Wildbienen Spezialisten. Honigbienen sammeln an vielen Pflanzenarten, Wildbienen oft nur an einer oder wenigen. Wenn also bestimmte Pflanzen nicht mehr in der Natur vorkommen, finden die spezialisierten Wildbienen schlichtweg keine Nahrung mehr. Die Honigbiene kann dagegen "problemlos" auf eine andere blühende Pflanze ausweichen. Die ökologische Nische überschneidet sich nur teilweise – Konkurrenz ist lokal möglich, aber kein Haupttreiber des Artensterbens.
  3. Honigbienen bestäuben auch Wildpflanzen Sie tragen zur Bestäubung von rund 800 heimischen Nutz- und Wildpflanzen bei.
  4. Honigbienen sind ein Nutztier – kein invasiver Fremdkörper Die Honigbiene ist seit Jahrhunderten Teil der europäischen Kulturlandschaft und wurde durch Imkerei weiterentwickelt. Sie ist kein Neozoon, sondern ein traditionelles Nutztier, das zur Landwirtschaft gehört.
  5. Die heutige Honigbiene ist auch keine überzüchtete Art, sondern in ihrer Biologie und im Verhalten kaum unterschiedlich zur früheren Wildform der Honigbiene. Und sie könnte problemlos auch ohne die helfende Hand der Imker*innen überleben, wenn es da nicht die vor Jahrzehnten eingeschleppte Varroamilbe gäbe. Die heutige Zucht bemüht sich daher wesentlich um varroaresistente Bienen, die ohne Eingriff durch den Menschen überleben können.

Natürlich liegt es auch an uns Imker*innen, verantwortungsvoll mit unseren Bienenvölkern und der Natur umzugehen, indem wir z.B. im Zweifel lieber weniger Bienenvölker an einem Standort aufstellen und ökologisch besonders wertvolle artenreiche Biotope meiden oder nur sehr gezielt und kontrolliert anwandern. In den meisten Imkervereinen wird nicht nur über Wildbienen gesprochen sondern auch aktiv viel getan, um Lebensräume und Nahrungsgrundlagen für die Wildbienen zu erhalten oder neu zu schaffen. Verantwortungsvolle Imkerei ist immer auch Naturschutz. 

Und hier noch ein paar Links:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/34670.html

https://www.bienenundnatur.de/wildbienen/weltbienentag-alibi-diskussion-um-nahrungskonkurrenz-1326

https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/artenvielfalt/bienen-fuettern/wildbienen-honigbienen-und-co.html

 

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